Jahrewechseln - ein Sylvesterurlaub

Die Leute: eine Versammlung von frischen und langjährigen Liebhabern, guten Freunden, Bekannten, Unbekannten.
Der Ort: ein Haus auf einem Hügel über dem Lago Maggiore.
Die Tage: eine Mischung aus Trinkgelagen, Spieleabende/-tage, gemeinsames Kochen mit Freunden, Abende am Kaminfeuer mit Gitarrenmusik und gelassenem Rumliegen.


Es gibt keine Vorbehalte untereinander, keine Grundsatz - Diskussionen um sich selbst willen, keine eingespielten, routinierten Handlungsabläufe, wenige Floskeln.

Es gibt hübsche Frauen, es gibt Rauschmittel, es gibt den Seeblick, es gibt Wikinger-Schach, eine Dachterrasse, einen gigantischen Garten zum Räuber und Gendarm-Spielen, viele Flaschen des Hausweins in schönen Flaschen ohne Etikett, Sofas in denen man leben kann, eine Minibar aus Stein, ein offenes Haus mit fließendem Übergang zwischen der Kaminwärme im Inneren und der italienischen Wintermilde auf der Terrasse.

Es liegt eine gewisse Unbekümmertheit, eine Leichtigkeit, eine kindliche Neugierde an vielen Dingen in der Luft.

Was mir besonders imponiert an den Menschen: Man hat das Gefühl keiner denkt in Kategorien oder Schubladen. Die Mitmenschen werden nicht beurteilt, sondern so akzeptiert wie sie sind. Und es fällt sehr selten das Wort „Nein“ – die Leute haben Lust auf fast alles.

Es herrscht eine ehrliche Freude an großen, wackligen Türmen und einseitigen Louping-Louie Spielen mit anschließendem Vortanzen. Einschlafen und Aufwachen neben neuen Menschen. Allen zulächeln und angelächelt werden. Angesäuselt Sterne am Himmel fixieren, sich dabei solange drehen bis alles um einen rum verschwimmt und danach versuchen die Balance zu halten. In den Sofas mit einem Buch verloren gehen und im Augenwinkel das interessante Treiben beobachten. Einen zugefrorenen Swimming-Pool überqueren und das Knacksen, das bei jedem Schritt ertönt ausblenden - die Schritte nicht beschleunigen, in letzter Sekunde springen und nicht das Ufer erreichen. Weiterlaufen und versuchen ganz cool zu bleiben.

Feststellen wie langsam die Zeit, ja die Realität an Bedeutung verliert.

Aufwachen mit schwachen Erinnerungen. Allen präventiv eine Entschuldigung anbieten und anschließende Erleichterung, dass jeder glaubhaft behauptet, Spaß gehabt zu haben trotz einiger Zwischenfälle mit eigener Beteiligung.

Das Gefühl, dass solche Tage unvergesslich und einmalig sind. Das Zusammentreffen von genau diesen Menschen kein zweites Mal stattfinden wird. Das Leben im Hier und Jetzt begreifen: Die Vergangenheit liegt weit hinter uns und die Zukunft tritt noch früh genug ein.

Alle Konventionen von Sylvester werden unbewusst über Bord geworfen und die ewigen Erwartungen, die mit diesem Fest verbunden sind verschwinden: Feuerwerk-Kauf außer Acht lassen, kein Prosecco oder Champagner im Haus haben, abends essen auf was man Lust hat und was schnell zubereitet werden kann, den wichtigen Zeitpunkt verpassen, weil keiner eine Uhr oder ein Handy parat hat, zwei Tage nach Sylvester den Jahreswechsel wiederholen, damit sich diesmal auch jeder daran erinnern kann.

Ein Sylvester das im ursprünglichen Sinne keins war und gerade deswegen als einzigartig in Erinnerung bleiben wird. - LF

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