Sombrero Negro (España)
Ich stehe an der Theke einer Bar in einer Busstation Mitten in Spanien und trinke Kaffee. Eben bin ich aus dem Bus aus Granada gestiegen, habe mir einen Weg durch die vielen Menschen in der Wartehalle gebahnt und so eben noch einen Platz an der Theke gefunden. Die Gedanken, die von der Reise noch aufgewirbelt sind wie der Zucker, den ich soeben in meinen café con leche gegeben habe, beruhigen sich allmählich beim Genuss des koffeinhaltigen Extrakts und sammeln sich langsam am Grund meiner Kaffeetasse. Sollte ich sie noch einmal umrühren? Ich entscheide mich dafür und die Gedanken wirbeln erneut im Raum, vermutlich sind die schwarzen Bohnen, aus denen der Kaffee zubereitet ist, in Afrika gewachsen, so wie die Mehrheit der Menschen, denen ich in der Wartehalle begegnet bin.
Als sich die Gedankenkristalle langsam im Kaffee lösen und mein Bewusstsein in die Wirklichkeit zurückkehrt, wird mir plötzlich klar, dass ich meinen Hut im Bus vergessen habe. Ohne zu zögern bestelle ich die Rechnung, schultere mein Gepäck und eile nach draußen auf den Bussteig. Es ist mittlerweile dunkel geworden und der Himmel ist schwarz. Ich kämpfe mich durch die vielen Menschen, die gerade in die Busse einsteigen, doch natürlich bin ich zu spät. Der Bus ist schon wieder unterwegs in eine andere Stadt Mitten in Spanien, und mit ihm mein Hut. Jetzt ist er auf Reisen, ganz alleine und ohne Träger. In Gedanken wünsche ich ihm viel Glück, ich hatte ihn sehr gern.
Aber ist es im Leben nicht oft so, dass wir die Dinge, die uns am meisten bedeuten, ebenso vernachlässigen? Erst dann wenn sie nicht mehr da sind, fällt es uns auf, und wir werden uns darüber klar, was wir an ihnen hatten.
Ich kehre also in die Wartehalle zurück, die noch immer mit Menschen gefüllt ist, und finde gerade so noch einen Platz auf einer Bank zwischen Männern, die vermutlich aus Nordafrika stammen. Ihr Gesichtsausdruck will sagen, dass sie auf etwas warten, doch ebenso erzählt er, dass es nicht ein Bus ist. Draußen, auf dem Platz vor der Busstation haben afrikanische Männer inzwischen begonnen, Zelte aufzustellen. Ist es das Nachtquartier der Männer, die um mich herum in Gruppen sitzen, reden, gestikulieren und rauchen? Ist es nicht vermessen über einen Hut nachzudenken, wo doch diese Männer fern von ihrer Heimat und ihren Familien in einer Busstation warten, bis sie eine Anstellung bei der bevorstehenden Olivenernte finden? Ärgern wir uns zu oft über geringfügige Dinge, ist das ein Zeichen von Luxus und Dekadenz, oder ist es sogar gut, dass sich Menschen aus einer westeuropäischen Wohlstandsgesellschaft noch über solche Dinge Gedanken machen? Vielleicht ist es das letzte Aufblitzen eines verblassenden Wertebewusstseins. Der Vergleich verrät aber dennoch, wie groß unsere Probleme oft scheinen, wie klein sie aber wirklich sind.
Auch wenn der Hut nun weg ist, zum Schluss bleibt immerhin noch die Erinnerung. Und eine letzte Gemeinsamkeit hatte der Hut mit den Kaffeebohnen, mit den wartenden Männern und mit der Nacht: der Hut war schwarz.
JR
Als sich die Gedankenkristalle langsam im Kaffee lösen und mein Bewusstsein in die Wirklichkeit zurückkehrt, wird mir plötzlich klar, dass ich meinen Hut im Bus vergessen habe. Ohne zu zögern bestelle ich die Rechnung, schultere mein Gepäck und eile nach draußen auf den Bussteig. Es ist mittlerweile dunkel geworden und der Himmel ist schwarz. Ich kämpfe mich durch die vielen Menschen, die gerade in die Busse einsteigen, doch natürlich bin ich zu spät. Der Bus ist schon wieder unterwegs in eine andere Stadt Mitten in Spanien, und mit ihm mein Hut. Jetzt ist er auf Reisen, ganz alleine und ohne Träger. In Gedanken wünsche ich ihm viel Glück, ich hatte ihn sehr gern.
Aber ist es im Leben nicht oft so, dass wir die Dinge, die uns am meisten bedeuten, ebenso vernachlässigen? Erst dann wenn sie nicht mehr da sind, fällt es uns auf, und wir werden uns darüber klar, was wir an ihnen hatten.
Ich kehre also in die Wartehalle zurück, die noch immer mit Menschen gefüllt ist, und finde gerade so noch einen Platz auf einer Bank zwischen Männern, die vermutlich aus Nordafrika stammen. Ihr Gesichtsausdruck will sagen, dass sie auf etwas warten, doch ebenso erzählt er, dass es nicht ein Bus ist. Draußen, auf dem Platz vor der Busstation haben afrikanische Männer inzwischen begonnen, Zelte aufzustellen. Ist es das Nachtquartier der Männer, die um mich herum in Gruppen sitzen, reden, gestikulieren und rauchen? Ist es nicht vermessen über einen Hut nachzudenken, wo doch diese Männer fern von ihrer Heimat und ihren Familien in einer Busstation warten, bis sie eine Anstellung bei der bevorstehenden Olivenernte finden? Ärgern wir uns zu oft über geringfügige Dinge, ist das ein Zeichen von Luxus und Dekadenz, oder ist es sogar gut, dass sich Menschen aus einer westeuropäischen Wohlstandsgesellschaft noch über solche Dinge Gedanken machen? Vielleicht ist es das letzte Aufblitzen eines verblassenden Wertebewusstseins. Der Vergleich verrät aber dennoch, wie groß unsere Probleme oft scheinen, wie klein sie aber wirklich sind.
Auch wenn der Hut nun weg ist, zum Schluss bleibt immerhin noch die Erinnerung. Und eine letzte Gemeinsamkeit hatte der Hut mit den Kaffeebohnen, mit den wartenden Männern und mit der Nacht: der Hut war schwarz.
JR
Lujo - 23. Nov, 10:54
